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Auch Sterntaler regnete es

Bei der Aufführung

"Wir Puppen bleiben ewig"

 

 

 

 
 

 

 

 

 

 

Wir Puppen bleiben ewig

 

 

 

 

Wünsche und Sehnsüchte der Menschen zwischen Leben und Tod - 4.11.2015

Theaterstück - inspiriert von Grimms Märchen.

 

 

 

Zu seinem 20-jährigen Jubiläum führte kürzlich das Theater Media Luna das Schauspiel "Wir Puppen bleiben ewig" im Nürtinger Theater im Schloßkeller auf. 

Regisseur Pino Capitani und Schauspielerin Gisela Heine verzauberten die (mai) Zuschauer durch eine intensive Darbietung aus Licht- und Schattenspiel, Tanz und Texten, ließen sie eintauchten in eine irreale Welt aus fliegenden Schlössern, tanzenden Schuhen, Prinzen und schlafenden Prinzessinnen. Denn in der realen Welt sollte es immer eine unerwartete Wendung geben, die uns einen märchenhaften Ausgang beschert. 

Als Solostück konzipiert, war die ehemalige Nürtingerin dennoch nicht alleine auf der Bühne, zwei lebensgroße Puppen spielten weitere wichtige Rollen. Die eine, eine schöne, Langhaarige, mutierte vom jungen Mädchen zur erwachsenen Frau bis zur letzten Reduktion, dem Skelett und damit zum Tod selbst. Dieser nahm die Briefe voller unerfüllter Wünsche derer an, die nicht mehr da sind. 

Die kleine Bühne des Nürtinger Schloßkellers wechselte ideenreich auf mehrfache Weise, durch Beleuchtung, eingespielte Textsequenzen, Aktionen und unterschiedliche  Visualisierungen. Bühnenbildner Giuseppe Ingala setzte einfache technische Mittel perfekt um und ließ überraschende Bilder entstehen. Beispielsweise diente ein einfacher Raumteiler als Versteck und als Projektionswand, vorne für Bilder, hinten für Schattenspiele. 

Selbst die Schauspielerin befand sich in stetigem Wandel. Von skurriler Tänzerin, mit und ohne Maske und Hut, bis hin zur alten Frau mit facettenreicher Mimik, die schließlich in eine andere Welt entschwand. Mehrschichtig und tief durchdacht war die gesamte Darbietung, also durchaus anspruchsvoll. Scharf geschossen wurde auch, wenn auch „nur“ mit Glück. Kein Wunder, dass die Vorstellung beim Publikum sehr gut ankam. 

 

 

 

 

2004-2015 Nürtinger STATTzeitung

 

 

Theaterstück Media Luna  “Es kreist die Jahrhundertuhr”       26.01.012

 

 Rezension: Melani Knobl

 

 

Das künstlerisch hochanspruchsvolle Stück fordert den Zuschauer, insbesondere den Theater-Laien, Augen und Ohren auf höchster Konzentration zu halten, wobei diese Art von Konzentration Offenheit und Leichtigkeit  erfordert. Die facettenreichen Bilder voller Symbolik mit dem Herzen auf sich wirken zu lassen, läßt den Betrachter im Fluß des Geschehens bleiben. Meine Versuche als Zuschauer, das Stück immer wieder mit dem Verstand zu analysieren, katapultierten mich jedes Mal aufs Neue aus dem Geschehen und verwehrten mir den Zugang.

Sobald ich wieder anfing, das Stück einfach nur auf mich wirken zu lassen, fühlte ich mich wieder als ein Teil im Geschehen.

 

 

 

 

 

Mehr…

Das Stück beginnt mit einer Gedenktrauerfeier, in welcher zwei Frauen nachts ihre Gedanken und Gefühle beklagen: Der Schmerz und das Leid, welchen der Krieg über die Menschen hereinbrechen läßt, schlug in mir eine vertraute Seite an, ich spürte die Traurigkeit über in meinem Leben erlebte Trauerfälle: Diese Traurigkeit war mir vertraut, eine Traurigkeit, die das Geschehene als unveränderliche Konstante gleichsam konstatiert.

Der Mensch will sich von Leid befreien- in allen Lebenslagen, menschlich wie politisch.

Die Historienuhr des Stücks ließ Geschichte rauf und runter im Zeitraffer passieren:

Spartakusbund, rote Fahne, Generalstreik, Waffengewalt. Befreiung von der Diktatur als symbolische Überschrift.

Die wunderbar weichen und grazil-geschmeidigen Tanzbewegungen von Gisela Heine schlichen sich förmlich in den eigenen Körper: teilweise kam es mir vor, als fühlte ich die Bewegungen und ihre nonverbale Botschaft von der Macht des Wunsches auf Freiheit.

Frau Heines Tanz vereint sinnliche Grazilität mit agiler Kraft in besonderer Harmonie- hier wirkt nichts unvereinbar, zwei eigentlich gegensätzliche Kräfte ergänzen sich wunderbar.

Meine Aufmerksamkeit zog auch die schöne Stimme von Barbara Schmidt auf sich, deren Auszeichnung eine äußerst klare Intonation und die Fähigkeit zu variationsreichen Modulation war: so gefielen mir auch die gesungenen Lieder allesamt sehr gut: Eines der Lieder, das Lied “Mein Sohn, wohin gehst Du… “, sprach mich aufgrund seiner menschlichen Tragik besonders an: Die Trauer einer Mutter über das durch den Krieg ihren Kindern zugefügte Leid fühlte sich beklemmend an, Ohnmacht und Hilflosigkeit sind Gefühle, die jeder von uns kennt.

Kassandra als die Unheilsverkünderin durch die Jahrhunderte, gespielt von Barbara Schmidt, zeigte ein weiteres düsteres Bild vom Charakter des Krieges als Unheil, Leid und Tod bringendes alles verschlingendes Monster. Dieses Monster wurde auch durch den Moloch verkörpert.

Das trojanische Pferd: Sinnbild für die Zerstörung Trojas durch die Griechen mittels einer List, ferner Sinnbild für die Machenschaften von Dikaturen und nicht zuletzt auch Sinnbild für gelebte und “passierte” Geschichte im weitesten Sinne.

Die Regenschirm-Spirale der Jahre 1939-1945, der Tod tanzt und der Moloch Krieg verschlingt alles.

… Der Judenstern, der Blick der zwei Frauen aus dem Rahmenfenster mit schwarzem Vorhang.

Themata: Unfreiheit, Verfolgung, Macht und Tod.

Der weiß maskierte Tod tanzt mindestens dreimal, schleichend kraftvoll und mit subtiler Lebensenergie, die alles Leben einnimmt.

… Als der Krieg 1945 aus ist, tanzt der Tod s(ein) zweites Mal. Der Krieg hat Zerstörung und Tote hinterlassen. Die erwartete Freiheit bleibt im wesentlichen aus- die Mauer wird gebaut, trotz der Versicherung von Walter Ulbricht ( Bandstimme Original: “Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.” )

Die Mauer schafft wieder Trennung und Leid, eindrucksvoll inszeniert durch die schwarze Mauerwand, an welcher sich die zwei Darstellerinnen von jeweils der entgegen gesetzten Seite körperlich und per Sicht zu begegnen zu versuchen- doch ihrer beider Hände greifen ins Leere: Die Resignation der verhinderten Berührung ist für den Zuschauer fast fühlbar, trägt sie doch so viel innere Not, diesen geschichtsträchtigen Leidensdruck in sich.

Aufbegehren gegen eine Diktatur wird mit dem Tode bestraft- sehr bildhaft und anrührend dargestellt durch die 7 Räucherstäbchen, welche 7 Söhne einer Mutter, die ihrem Glauben abgeschworen hatten, darstellten. Bewegend ist hier der Mut, der Überlebenswille, der allen Widrigkeiten, selbst dem Tod, trotzt, eben dieser eine spezielle Mut der Authentizität!

“Alles ist im Begriff, sich aufzulösen!”

“Ja, gehen wir!” : Die Worte der beiden weiblichen Akteure.

Mit dem Fall der Mauer, symbolisiert durch die beiden Todesanzeigen, geht die Geschichte wieder zurück in die Kiste. Ein kurzes finales Aufleben der Historie, welche als knisternde Folie noch mal aus der Kiste der Vergangenheit geholt wird: ein zauberhafter Folien-Tanz- bald einem geheimnisvollen Flaschengeist gleich, welcher sich am sich anschließenden Ende des Stückes förmlich wie ein Leichentuch über die Darstellerinnen und die Gegenstände legt…

 

Melani Knobl

 

 

 

 

 

Weniger…

Briefe an den Wind

 

Am vergangenen Freitag gastierte die freie Theatergruppe „Media Luna“ aus dem Raum Stuttgart im Bürgerhaus in Butzbach-Ostheim.

Sie führten eine Bühnenfassung eines Buches des bekannten Italienische Autoren Antonio Tabucchi „Es wird immer später“ auf. Dieser Roman in Briefform erzählt die Geschichten verschiedener Personen über die verlorene große Liebe, die in diesem Stück zu der Geschichte einer einzigen Person zusammengefasst werden.

Es ist ein experimentelles Theaterstück, ein Zusammenwirken von Videoclips und Musik und sehr wenigen Requisiten, die durch die Text- und Musikauswahl von Pino Capitani und die überzeugende schauspielerische Leistung von Gisela Heine zu einem Ganzen zusammengefügt werden.

Die Aufführung thematisiert die verlorene große Liebe und die Sehnsucht danach ein Leben lang.

Wer von uns je die Liebe kennengelernt hat- heißt es in dem Text -sie in jeder seiner Zellen aufgesaugt hat wie ein Schwamm im Meer, der sich vollsaugt von dem nahrhaften Salzwasser, das die Liebe ist, von dem er sich ernährt hat, der kann lange davon zehren, auch wenn dieser Schwamm an Land gespült wird und nun nur noch von „Süßwasser“ leben muss für den Rest seines Lebens.

Diese Erinnerungen daran, diese Paradiese, aus dem wir nicht wieder vertrieben werden wollen, werden danach wie zu einem Gefängnis: Denn die Person ist verloren, verloren für diese Welt. Verurteilt, in einem Tagtraum zu leben und stets den Schmerz der Fremdheit im eigenen Leben zu spüren. „Ich suche Dich, Liebster“, heißt es in einem der Briefe, „Ich suche dich in jedem Stein, in jedem Stück des Weges und in jeder Sekunde des Wachseins. Und selbst im Schlaf sehe ich dein Bild“. Viele Briefe werden geschrieben. Briefe, die nie abgeschickt werden und wenn doch, nie ankommen. Sinnbildlich werden sie zu Schiffchen gefaltet und dem Meer überlassen.

Der Angebetete wird zum rauschhaften Bild, aber die Liebende kann nicht anders. Trauer, Sehnsucht, Groll und Reue wechseln sich ab, aber - immer bleibt zuletzt – die Sehnsucht. Die Sehnsucht nach dem Geliebten und dem verlorenen geglaubten Glück.

Die Hauptdarstellerin wird Teil der Filmszenen. Man sieht sie zunächst mit ihrem Geliebten über das Meer reisen und durch viele Städte, in der turbulentes Leben herrscht. Das Leben ist schön.

Später folgen Reisen, allein durch karstige Landschaften bis zum „Ende der Welt“ auf der Suche nach dem Verflossenen. Die Liebende, sie kann nie Ankommen und nie Bleiben, denn die Heimat ist nur dort, wo der Geliebte wohnt.

Immer wieder schlüpft Gisela Heine in verschiedene Rollen, zum Ausdruck gebracht durch verschiedene, schnell gewechselte Kleidung.

Die Jahre vergehen und der Schmerz wird bitter. „Geliebter, du hast mich zweimal betrogen, als du gingst, ohne dich zu erklären und sogar dein Grab hältst du vor mir versteckt.“

Es ist erst im Alter, als das Abbild zur Maske wird und das Bild des Geliebten starr, und der Sand des Lebens gänzlich fast durch ihre Hände geronnen ist, erkennt sie, dass sie loslassen und heiter werden muss, um noch die letzten Jahre zu retten.

„Briefe an den Wind“ ist ein ernstes Theaterstück, das viele erschaudern ließ, mit Musik von Leonhard Cohen, Georg Friedrich Händel und sardischer Volksmusik.

Ein „Briefauszug“ über die existentielle Bedeutung des großen Gefühls der Liebe, und wie sie schicksalhaft den weiteren Lebensfortgang bestimmt. Ein Bühnenstück, mit einfachen Mitteln gelungen umgesetzt, und von der Schauspielerin Gisela Heine überzeugend vorgetragen.

Eine Veranstaltung des Vereins Unser Dorf Ostheim e.V. in Zusammenarbeit mit und Leitung von der Kuratorin Kornelia Werner

Text: Hubert Meyer

(Vors. Unser Dorf Ostheim e.V., Rathausstraße 11, 35510 Butzbach-Ostheim, Tel: 0152 29939514) Siehe auch: Bildanhänge

(Bilder: H. Meyer)